VIA  CLAUDIA AUGUSTA
DIE ALTE RÖMERSTRASSE

DER PRÜGELWEG VON LEERMOOS NACH BIBERWIER

 © Wolfgang Trommer

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LEERMOOS - BIBERWIER

 

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Die Via Claudia Augusta

folgt von Füssen dem Lechtal um dann einem weitläufigen Talboden eines eiszeitlichen Gletschers Leermoos entgegen zu streben. Zwischen Leermoos und Biberwier stellte der Straßenbau ganz besondere Anforderungen an die Römer. Es mußte ein bis zu 80 Meter tiefes Moor durchquert werden.

Dieses Moor, im Volksmund Moos genannt, war durch einen Felssturz entstanden, der bei Untersuchungen der Universität Innsbruck auf die Jahre 2100 bis 2200 vor Christus datiert wurde. Durch diesen Felssturz war die heutige Felsensperre des Fernpasses entstanden. Es bildete sich durch diese Sperre zunächst ein riesiger See, der mehr und mehr verlandete und dieses Moor hinterließ.

Noch im 19. Jahrhundert war es nicht möglich dieses Moos zu durchqueren ohne einzusinken. Erst eine intensive Entwässerung mit Entwässerungsgräben machte eine bessere landwirtschaftliche Nutzung des Mooses möglich.

Vorher behalf man sich damit, daß man das Heu in Stadeln im Sommer lagerte und im Winter mit Fuhrwerken abholte, wenn der Frost den Moorboden fest und befahrbar gemacht hatte.

 

Das Moos bei Leermoos am Fuße des Zugspitzmassives

 

 

 

Dort wo durch das Ausbaggern der Entwässerungsgräben der Straßenkörper angeschnitten wurde, finden sich noch heute Reste des römischen Prügelweges im Moor. Leider wird die Straße heute mehr und mehr zerstört.

 

Die römischen Straßenbauer verlegten ihre Straße direkt und geradlinig durchs Moor. Nach dem  Motto " jede Kurve ist ein Umweg und bedeutet Zeitverlust" sollte die Straße so gerade wie nur möglich verlaufen. Sie war ohnehin in erster Linie zur schnellen Truppenverschiebung und Nachrichtenübermittlung im mächtigen Riesenreich benötigt worden. Handel und Tourismus waren untergeordnet. Einem Schiffsboden gleich verlegten die römischen Straßenbauer Baumstämme schwimmend im Moorboden, die mit einer mächtigen Schicht Schotter abgedeckt wurden. Dazu wurden zunächst Baumstämme mittig und seitlich längs gelegt. Darauf legte man dicht an dicht 3 Meter lange Baumstämme. So erhielt man die geforderte 7 Meter breite Straße, die als Prügelweg bezeichnet wird.

War dieser Prügelweg im Laufe der Jahre im Moor abgesunken reparierte man die Stelle einfach durch eine neue Lage Baumstämme und Schotter. Der Straßenkörper ist so bis zu 1,80 Meter hoch geworden, wie man bei Ausgrabungen durch die Universität Innsbruck feststellen konnte. Leider konnte diese Ausgrabung der alten Römerstraße nicht der Öffentlichkeit zugänglich bleiben und erhalten werden. Immer wieder versank die Grabungsstelle binnen kurzer Zeit im Wasser. Die Grabungsstelle wurde wieder zugeschüttet und kann nicht besichtigt werden.

Am Fuße des Aufstieges zum Fernpaß hatte man immer eine Straßenstation vermutet. So wurden auch in Biberwier Grabungen durchgeführt, die zum derzeitigen Zeitpunkt noch fortgeführt werden. Nach anfänglich vergeblichen Grabungsversuchen konnte man ein römische Dorf frei legen. Die Grabungsergebnisse werden auf einer Informationstafel in Biberwier erläutert. So konnte man anhand der Funde feststellen, daß die Gegenstände und Nahrungsmittel an der Via Claudia Augusta von Rhodos, Gallien, der Toskana und dem Rheinland hierher verbracht worden waren.

Auch im Mittelalter diente die Via Claudia Augusta noch bis ins 16 Jahrhundert ohne jegliche Nachbesserung dem Handelsverkehr. Am Ortseingang von Biberwier finden sich in den Fels gehauene Wagengeleise aus dem Mittelalter.

Erst mit dem Bau der neuen Straße unter König Ferdinand verbesserten sich die Verkehrsbedingungen um 1550 am Fernpaß. 1856 trassierte man eine neue Paßstraße über den Fernpaß unter Kaiser Franz Joseph.

Die Via Claudia Augusta in diesem Bereich zu besichtigen ermöglicht das Fremdenverkehrsbüro von Leermoos. Herr Robert Leitner, der sich seit den Fünfzigerjahren nach Hinweisen eines Pfarrers mit der Straße beschäftigt und auch die Ausgrabungen anregte, war unser sachkundiger Führer. Mit seinen Erläuterungen bekommt man eine umfassende Vorstellung von der Römerstraße in diesem Abschnitt. Wenn das Auge nach einer Weile geschult ist, kann man dann den Verlauf der Via Claudia Augusta im Moos verfolgen. Noch heute verläuft der Straßenkörper erhöht durch das ebene Moor. Läuft man ihr entgegen ist der Boden des Moores weich und schwingend. Im Bereich des Straßenkörpers wird der Boden fest. Für den Bau einer Telefonleitung nutzte man die alte Römerstraße als sicheres Fundament der Masten. Es könnte kein besseres Fundament  im Moos geben. Die Trasse der Römerstraße konnte von schweren Baugerät befahren werden.

 

 

 

Bild links:     Wo dieser Feldweg den Straßenkörper überquert zeichnet sich als Erhöhung der Verlauf der Römerstraße ab.

Bild unten:     Wie mit dem Lineal gezogen quert die Römerstraße das Moor (Gestrichelte Linie).

 

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