ZURÜCK

Von Klingenthal  nach  Sauersack / Rolava ...

... und an das Ende der Welt ...

 

 

 

 

Sie waren noch nicht am Ende der Welt? Dann wird es Zeit, daß Sie diese Wanderung unternehmen. Start ist der Grenzübergang für Wanderer von Klingenthal nach Bublava / Schwaderbach. Da dieser Grenzübergang mehr dem Handel und Wandel dient statt dem Wandern, müssen auch wir auf dieser Wanderung zunächst dem Angebot der Vietnamesenmärkte und der zahlreichen Grenzkneipen widerstehen. Das fällt uns allerdings auch nicht sonderlich schwer.

Dann kann es auf steilem Pfad hinab in das Weißbachtal gehen und auf der Fahrstraße in Richtung Rolava / Sauersack beziehungsweise Prebuz / Sauersack.

Der Weg ist weit, und bei Sommerhitze bietet sich wenig Abwechslung. Zwei Steine, die

Porträts Beethovens und Schillers stehen an einsamen Berghang. Sie wurden vor Zeiten von zwei Volkskünstlern gestaltet, als dieses Tal noch dicht besiedelt war. 6000 Menschen lebten hier bis 1945. Davon künden heute nur noch die Mauerreste der Gebäude. Es ist still in diesem Tal geworden, unheimlich still. Der aufmerksame Wanderer findet in den zahlreichen Wüstungen immer wieder bescheidene Schilder an Bäumen mit dem Hinweis darauf, welche Menschen hier friedlich lebten und denen schreckliches wiederfahren ist.

 

Vorbei am Ort Rajek / Buchhammer erreicht man die Einmündung des Weißbachtales. Nun führt die Fahrstraße steil bergan in Richtung Rolava / Sauersack. Sagar ein Luchs oder eine Wildkatze begegnet uns hier in dieser Einsamkeit.

Der Rest der ehemaligen Siedlung der Holzfäller und Dorfstecher mit dem etwas befremdlichen Namen Sauersack wurde mitten in einer einsamen Hochmoorlandschaft erbaut. Man kann von hier hinauf ins Moor wandern und sich in den Sommermonaten an den das ganze Moor beherrschenden weißen Büscheln des Wollgrases erfreuen. Aber auch die fleischfressende Pflanze des Sonnentau hat hier ihr Domizil.

 

Auf die düsteren Zeiten unserer Geschichte weist oben am Waldrand ein Gedenkstein für Häftlinge eines Kriegsgefangenenlagers hin. Sie schufteten im Bergwerk des "Herrmann-Göhring-Werkes". Wo die vorwiegend russischen Gefangenen nach Ende des Krieges geblieben sind ist nicht bekannt. Es ist anzunehmen, das man sie im Bergwerk eingeschlossen hat, das dann abgesoffen ist. Wissen tut das keiner. Die mächtige Ruine des Werkes findet sich an der Straße nach Jeleny / Hirschenstand. Noch nach so langer Zeit steht das Betonskelett des Werkes unbeschadet in dieser stillen Waldeinsamkeit. Trotzdem ist diese Stätte nicht angenehm. Sie ist in einzigartiger Weise ein Mahnmal für die Geschehnisse, welche die Völker in der Mitte Europas entzweite. Aber dennoch entschultigt das nicht, daß unschuldige und wehrlose Menschen dafür einen hohen Preis zahlen mußten und die Tschechische Republik meint nach Recht gehandelt zu haben. Nach dem "Recht", daß ein Fanatiker Namens Benesh und seine Schergen und Prügelknaben zum Recht erklärten. Man muß sich auch die Frage stellen, wie die Tschechen ohne Klärung des verachtenden Umganges mit Menschen, sei es die Vertreibung einst oder sei es die Prostitution heute, in die EU kommen konnten. Die Gedanken hier oben an diesem Ort werden düster.

Wandern wir weiter durch diese einsame Landschaft nach Frühbuß / Prebuz und zurück durch das Weißbachtal, wo uns ein stilles Gebirgstal mit einem ausgezeichneten Bestand an Bergahorn das Waldsterben auf dem Erzgebirgskamm vergessen läßt. Und als wir die Straße wieder erreichen, die wir nach Sauersack hinaufgegangen sind, fallen uns akurat gepflanzte Kastanienbäume auf. An einem Baum findet sich ein Schild: " Hier stand einst das Gasthaus "Am Ende der Welt". Es existiert nicht mehr, so wie vieles in dieser arg geschundenen Region. So werden wir an diesem heißen Sommertage, an dem wir noch weit zu laufen haben, noch lange über das was hier geschah nachdenken. Erst die neuen Grenzkneipen in Schwaderbach werden uns bei einem guten böhmischen Bier wieder auf bessere Gedanken kommen lassen.

 

 

 

Vom einst dichtbesiedelten Weißbachtal künden die von Volkskünstlern in Stein gehauenen Reliefs Goethes und Beethovens.

 

Einsam liegen die wenigen verbliebenen Häuser von Sauersack / Rolava inmitten einer grandiosen Hochmoorlandschaft.

 

Hier auf der böhmischen Seite prägt der katholische Glaube die Gegend.

 

 

Ein Schild weist auf das einstige Gasthaus "Am Ende der Welt" hin:

"BYL HOSTINEC `END DER WELT´

EHM. GASTHAUS"

Ob die akurat gepflanzten Kastanienbäume tatsächlich der Biergarten des Gasthauses war, weiß längst keiner mehr.

 

 

 

LETZTE AKTUALISIERUNG: 22.04.2008

© Wolfgang Trommer

 

 

ZURÜCK ZUM  SEITENANFANG