WANDERERLEBNISSE
IN SACHSEN


RABENAUER GRUND

D I E   W A N D E R S E I T E N   D E R   F A M I L I E   T R O M M E R
© Wolfgang Trommer

| Hauptseite | Grund 1 | Grund 2 | Grund 3 | Grund 4 | Bahn 1 |  2 |  3 |  4 | 5 | Bastei |  Klamm  |  Gründel  | Laue-Steig |  Hochleiten  |

             INDEX          P1           IMPRESSUM

Der Gasthof "Zum Rabenauer Grunde" ist auch als Hemmschuhschänke im Volksmund bekannt. Hier nahmen einst die Fuhrleute die Hemmschuhe vom Wagen, wenn sie den steilen Somsdorfer Berg auf der alten Handelsstraße heil herunter gekommen waren.

Neben der Kleinbahn verläuft der neue Zugang zum Rabenauer Grund.

Wer durch den Rabenauer Grund wollte, mußte durch den engen Felsentunnel des Nadelöhrs. Eine andere Möglichkeit gab es noch nicht.

Das  Nadelöhr, einst engster Teil durch den Rabenauer Grund, ist heute vergittert.

Die zwei Versuchsstollen des Ritter von Theler erinnern an Versuche Erze zu finden.

Armer Nix, hinfortgerissen hat das Hochwasser deinen malerischen Tump. Nun ist der Nixentump ein tosender Kanal ohne die Steine im Bach.

Folgt man dem Nixensteig nach Lübau zweigt weiter oben nach einigen Kehren der nur noch wenig begangene Hochleiten ab.

Traurige Wahrheit:

Mit viel Mühe wird im Rabenauer Grund auf schön gestalteten Tafeln auf die Besonderheiten hingewiesen. Leider fallen der Zerstörungswut einzelner mühevolle Arbeit zum Opfer.

Als wir dieses Foto vom Pferdetump im Herbst 2001 machten, ahnten wir nicht, daß wir den Rabenauer Grund so nicht wiedersehen würden.

Langsam holt sich die Natur  ihr Refugium im Rabenauer Grund wieder zurück, aber die Flußlandschaft ist zerstört, auch wenn jetzt die Talsperrenverwaltung Fischtreppen in den reißenden Kanal einbauen wird.

 

LETZTE AKTUALISIERUNG: 19.08.2013

 

 

 

EINE WANDERUNG DURCH DEN RABENAUER GRUND

 

 

In der Regel beginnt man die Wanderung durch den Rabenauer Grund in Freital-Coßmannsdorf. Hier findet der Wanderer ausreichende Parkmöglichkeiten und eine gute Verkehrsanbindung vor.

Zwei Wege stehen dem Wanderer als Zugang zum Rabenauer Grund zur Verfügung:

    Der alte Zugang zum Rabenauer Grund beginnt an der Hainsbergmühle und am Gasthaus "Zum Rabenauer Grund", das zur Einkehr lädt und mit seiner schönen Fassadenmalerei ins Auge fällt. Am Mühlgraben der Hainsbergmühle, die auch als Walzenmühle bekannt ist, gelangt der Wanderer auf einem Fußweg in den Rabenauer Grund.

    Der neue Zugang verläuft entlang der Strecke der Schmalspurbahn auf der Straße, die nach einem Einkaufszentrum und einer Gartenanlage bald in den natürlichen Weg des Rabenauer Grundes übergeht.

     

Hinter der Weißeritzbrücke vereinigen sich beide Wege. Nun nimmt den Wanderer die einmalige, wildromantische Landschaft des engen Felsentales auf. Auf Betreiben des Rabenauer Müllers C.F. Ehrlich wurde der Rabenauer Grund 1834 für Besucher erschlossen. Berühmte Maler und Künstler der Romantik ließen sich von der Schönheit des Rabenauer Grundes inspirieren.

Seit 1852 ist der Rabenauer Grund verkehrstechnisch durch die älteste Schmalspurbahn, die von Freital-Hainsberg bis zum Kurort Kipsdorf das Tal für den wachsenden Transportbedarf der Industrie erschloß, und die sich einst harmonisch der Landschaft anpaßte. Nach ihrem derzeitigen Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe von 2002 ist sie Anziehungspunkt für viele Eisenbahnfreunde. Etwa 150 Millionen Euro kostete allein der Wiederaufbau bis Dippoldiswalde.

Den Rabenauer Grund durchwandert man heute auf einem breiten Fahrweg, der nach dem Hochwasser 2002 gebaut wurde. Leider ist damit die Romantik des Grundes vergangen, denn für diese "Straße" wurden auch die Flußsteine mit verbaut.

Ein heute vergitterter Felsentunnel, das Nadelöhr, erregt die Aufmerksamkeit des Wanderers. Erst nach 1989 wurden die Gitter angebracht. Bis dahin konnte man noch durch das Nadelöhr gehen.  Bis Ende des 19. Jahrhunderts führte durch diesen Felstunnel der einzige Zugang in den Rabenauer Grund. Ludwig Richter verarbeitete diese Landschaftskulisse in seiner Genoveva.

Am kleinen Wasserkraftwerk vorbei, das die Wasserkraft der Weißeritz seit Anfang des 20. Jahrhunderts nutzt, gelangt man zum Pferdetump, einer Tiefstelle der Weißeritz an einem Prallhang, in der die Mühlenpferde zur Schwemme geritten wurden. Hier konnte man noch nach der Flutkatastrophe den Eisvogel beobachten.

Die Romantik des sagenumwobenen Nixentump ist Vergangenheit. Ein Schild erinnert an der Stelle über die Töchter des alten Nix, die in hellen Mondnächten hier im Tump die Wäsche wuschen um sie anschließend auf der Planwiese zu bleichen. Wenn aber Fiedelgesang von der Höhe zum Tanze rief, waren die Nixen nicht mehr zu halten. Sie verdrehten den Lübauer Burschen arg die Köpfe, doch Mitternacht verschwanden sie im Tump.

Heute interessiert die Planwiese vor allem wegen ihrer seltenen Pflanzen, die dort gedeihen. Knoblauchwiese heißt sie im Volksmund deshalb, weil im Sommer der Bärlauch seinen Duft verbreitet.

An Bergbauversuche erinnern die Versuchsstollen, in denen wie überall im Erzgebirge nach wertvollen Erzen gesucht worden ist.

An einer kleinen Villensiedlung beginnt der unterirdische Stollen, der das Wasser der Weißeritz zum Kraftwerk ableitet. Der Tunnel kürzt die weite Schleife des Flußtales ab. Flußabwärts hat die Weißeritz deshalb oft sehr wenig Wasser.

Wir erreichen nun die Stelle, wo die alte Handelsstraße den Rabenauer Grund querte. Hier kann man vom Bahnhof Rabenau die Kleinbahn nutzen, in der Rabenauer Mühle einkehren, was schon Ludwig Richter tat, oder man wandert weiter. Ludwig Richter malte hier seinen Brautzug.

Wir tun letzteres und müssen zunächste einen Felsriegel auf steilen Stufen überqueren, was an Sonntagen schon mal einen Stau aufgrund der vielen Wanderer erzeugen kann. Wir weichen an dieser Engstelle dem ehemaligen Wehr der Rabenauer Mühle aus. Das Wehr existiert seit der Hochwasserkatastrophe 2002 nicht mehr, der Steig ist geblieben.

Wie wandern nun im Grund Spechtritz entgegen. Dieser Teil des Rabenauer Grundes war einst ein sehr romantischer Abschnitt. Das Wildwasser gluckste zwischen großen Steinen, die sogar bewachsen waren, dahin. Man konnte den Fliegenfischern beim Fangen der Forellen zusehen und die Bäume boten schattige Kühle. Auch auf diesem Flußabschnitt tost das Wasser nur noch in einem kanalähnlichen Flußbett. Die Goldstampe mit ihrem markanten Felsen erinnert wohl an die Vaalen oder Venetianer, die hier nach edlen Stoffen suchten.

Eine Brücke quert die Weißeritz, auf der man in das Lübauer Gründel gelangt. Wir erreichen bald Spechtritz. Hier machte das renomierte Ausflugslokal Spechtritzmühle ihrem Ruf alle Ehre. Das Ausflugslokal verkam seit der Wende nach hochtrabenden Plänen mehr und mehr und wurde 2009 entgüldig abgerissen  | mehr |.

An der Spechtritzmühle war einstmals eine Fischaufzuchtstation. Die Jungfische wurden in großen Becken zu einer bestimmten Größe gezüchtet, um dann ausgesetzt zu werden.

Der einstige "Güterbahnhof" von Spechtritz verrät sich noch durch eine große freie Fläche.

Als die Kleinbahn noch Güter transportierte, kamen diese hier an und wurden aus den auf sogenannten Rollböcken transportierten Normalspurwagen entladen. Hier in Spechtritz befand sich einst eine Korkmühle und ein Stuhlbauerbetrieb. Am anderen Ufer der Weißeritz sind noch Reste der ehemaligen Produktionsgebäude zu erkennen.

Wir befinden uns ab Spechtritz im Spechtritzgrund. Das Tal ist nicht mehr so eng und schroff. Wiesen reichen bis an den Talboden heran. Aber es gibt auch noch schroffe Felsformationen am rechten Talhang.

Bis zum Bau der Talsperre Malter durchquerte die Kleinbahn auch hier den Grund, wovon noch heute Reste der Brückenbauten zeugen. Die Bahn überwindet heute auf einer schiefen Ebene mit erheblicher Steigung  die Strecke bis zum Bahnhof Malter, denn sie muß die Staumauer der Talsperre Malter überwinden, die das Tal versperrt. Diese Rampe ist eine ingenieurstechnische Meisterleistung. Man beachte auch die Mauern am Seifersdorfer Bahnhof.

Wir befinden uns nun im Seifersdorfer Grund, dessen Schönheit leider mit dem Bau der Talsperre teilweise in den Fluten versank. In Seifersdorf sollte man sich den unter Denkmalschutz gestellten Bahnhof Seifersdorf und seine Nebengebäude nicht entgehen lassen, bevor man den restlichen Weg auf der ehemaligen Bahnlinie fortsetzt, die noch beim Bau der Talsperre für den Materialtransport genutzt wurde. Heute ist sie Wanderweg, der dann vor der Sperrmauer steil den Hang zur Mauerkrone überwindet. 

 

 

Das Nadelöhr von der anderen Seite - ebenso malerisch. Nur das Eisengitter stört leider diese einmalige Landschaftskulisse, die Ludwig A. Richter für sein Bild Genoveva diente. Heute entsorgen Leute ihren Abfall in dem Vergitterten Stollen - kein schöner Anblick.

 

Diese beiden Versuchsstollen liegen heute unterhalb des neuen Weges, der nach der

Hochwasserkatastrophe gebaut wurde.

 

 

 

ZURÜCK ZUM SEITENANFANG