WANDERERLEBNISSE
IN
SACHSEN
D I E   W A N D E R S E I T E N   D E R   F A M I L I E   T R O M M E R
© Wolfgang Trommer

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Nur an einigen Stellen  ist die Schönheit des  Rabenauer Grundes erhalten geblieben.

 

 

Das Flussbett der Weißeritz, einst ein malerisches  Wildwasser, ist leider zum Kanal verkommen.

 

 

 

 

Die Gleisanlagen der Weißeritztalbahn sind völlig zerstört, die Brücken sind fortgerissen. Wenn die Bahnstrecke wieder aufgebaut sein wird, wird die Natur und die einzigartige Landschaft im Rabenauer Grund längst nicht wieder im alten Zustand sein.

 

 

  

WANDERVORSCHLAG:

 

Der Rabenauer Grund ist auch auf den Höhenwegen sehr reizvoll. Als Paul-Laue- Steig beginnt der Weg über die östlichen Talhänge an der Artur-Lohse-Brücke und führt steil bergan zum Predigtstuhl. Ebenso mit Legenden umwoben ist das Brautbett, wo ein Ritter mit der Tochter des Burgherrn von Rabenau Hochzeit gehalten haben soll. Ein Felsvorsprung namens Vogelstellige diente einem Vogelfänger zum Auslegen seiner Fallen und Leimruten.

Am Großvaterstuhl hat man von oben einen schönen Blick auf den Rabenauer Bahnhof und die Rabenauer Mühle.

Am westlichen Talhang kann der etwas geübtere Wanderer auf steilen Felsstufen und auch zum Teil über eine Eisenleiter über die Himmelsleiter zur Bastei gelangen.

 

 

 

LETZTE AKTUALISIERUNG:

01.10.2011

 

DER RABENAUER GRUND - Seite 2

 

 

Der Rabenauer Grund war einst ein schier unpassierbares 80 Meter tiefes Felsental, welches sich nur allmählich für den Besucher eröffnete. Heute erreicht man das Tal auf einem breiten Fahrweg bequem und ohne große Probleme. Der alte Zugang zum Rabenauer Grund, ein schmaler Pfad, führte an der Weißeritz entlang.

Großen Verdienst an der Erschließung  des Rabenauer Grundes hatte der Müller der Rabenauer Mühle, der den schmalen Pfad durch das wilde Tal anlegen ließ. Engster Punkt war das Nadelöhr. Hier war die Passage nur in einem kurzen Stollen durch den Berg möglich. Auch der Maler Adrian Ludwig Richter regte eine touristische Erschließung des Rabenauer Grundes an.

Allmählich wurde das Tal passierbarer und wurde vom Müller der Rabenauer Mühle als Verkehrsweg genutzt. Mit dem Bau der Kleinbahnstrecke Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf, die mit der industriellen Entwicklung im 19. Jahrhundert einher ging, veränderte sich der Rabenauer Grund. Allerdings hatte man es verstanden die Bahnlinie behutsam in die Natur dieser einmaligen Flußlandschaft einzupassen. Dann kam es um 1910 zum Bau der Talsperre Malter einschließlich des Baues einer Wasserkraftanlage im unteren Flußabschnitt. Noch einmal wurde die Bahnlinie ab Spechtritz neu verlegt, um die Steigung bis zur Mauerkrone des Stausees zu überwinden. Die alte Bahnstrecke diente nur noch während des Baus der Staumauer für den Materialtransport.

War die Bahnlinie bis in die Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts noch immer Transportmittel für die Region, so war auch zu DDR-Zeiten über die Stillegung nachgedacht worden, was zum Glück nicht geschah. Mehr und mehr wurde die dienstälteste Kleinbahn Sachsens nach der Wiedervereinigung Deutschlands Touristenmagnet für die Eisenbahnfans und Liebhaber der Damflokomotiven.

Dann kam die Flutkatastrophe des Augusthochwassers 2002. Die Talsperre Malter, zum Hochwasserschutz des Wassereinzugsgebietes der Roten Weißeritz aus dem Osterzgebirge gebaut, konnte die Wassermassen nicht halten. Die Schleusen wurden geöffnet und die sich in das Tal der Roten Weißeritz ergießenden Wassermassen rissen alles mit sich, was sich in den Weg stellte, auch die Anlagen der Kleinbahn. Nun hofften alle auf den Wiederaufbau der Bahnlinie, der 2009 bis Dippoldiswalde und vielleicht 2010 auch bis zum Kurort Kipsdorf abgeschlossen sein wird.

Nicht mehr erleben wird der Liebhaber des einzigartigen Rabenauer Grundes die einstige Schönheit des wildromantischen Felsentales. Die Wassermassen, die sich aus der Talsperre Malter in das enge Tal ergossen rissen all die Schönheit hinfort, die der Rabenauer Grund einst für die Menschen bereitgehalten hat.

Nicht mehr vorhanden ist die schattige Kühle die einst die Kronen der Laub- und Nadelbäume im Grund erzeugten. Was an Baumbestand nicht vom Hochwasser vernichtet wurde, fiel dem Bahnbau zum Opfer.

Nicht mehr vorhanden ist das Gurgeln der Weißeritz, die sich ihren Weg zwischen den Flußsteinen suchte. Im Gegenteil, die Flut riss einen tiefen Kanal und all die malerischen Flußsteine mit sich. Die Flußsteine wurden offensichtlich und leider für den Bau des neuen und viel breiteren Wander- und Radfahrweges benutzt. Der Fluß selbst ist ein unansehlicher steiniger und geradlinig verlaufender Kanal geworden.

Nichts mehr erinnert an die stille Schönheit des Nixentumps, der Goldstampfe und des Pferdetumps. Nichts wird wieder so sein wie es einst gewesen ist. Das sollte uns Menschen als Warnung gelten, wenn wir all zu sorglos mit unseren letzten Refugien der Natur umgehen, wenn wir von den Folgen der Klimaveränderung reden und doch weiter sorglos so weiter wirtschaften wie bisher und weltweit nicht wirklich wirksame Maßnahmen eingeleitet werden.

Doch in all die Wehmut um den Rabenauer Grund soll auch ein klein wenig Hoffnung schimmern: Wir sahen den Eisvogel, der scheu und unruhig auf Nahrungssuche am Wassersaum entlang flog. Das gibt uns Hoffnung, daß spätere Generationen wenigstens teilweise dieses einmalige Fleckchen Erde noch erleben dürfen. Vielleicht regeneriert sich ja das wildromantische Flußbett trotz Talsperre über die Jahrhunderte wieder und wird einmal wieder so schön wie es einst war als ich in Rabenau meine Lehrzeit verbrachte.

 

 

 

Die beiden Bilder (oben) zeigen wie das Flußbett nach dem Bahnbau "bereinigt" ist.

 

 

 

SZ berichtete im Mai 2008

Zeitungsausschnitt läßt sich durch anklicken vergrößern

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