Die ehemalige Schule in Rabenau

Schirmherrin des Stuhlbauertages Frau Dombrois, Vizepräsidentin des Sächsischen Landtages

Fachbuchautor Schröter erläutert Berufsschullehrer Kruse Zeichnungen

 Kleinrechner aus den Anfängen der Datenverarbeitung

 

Nu een geenichlich sächsscher Beamter darf im Geenischreich ni fehlen

 

 

 

Ehemaligentreffen Rabenau

 

Ganz im Zeichen der Berufsausbildung sollte der 3. Deutsche Stuhlbauertag in Rabenau stehen. Dazu gab es eine Fachtagung zur Entwicklung der Berufsausbildung in Rabenau.

Und was es da an Berufsausbildung in der kleinen sächsischen Stuhlbauerstadt über zwei Jahrhunderte hinweg gegeben hat kann sich sehen lassen. Rabenau war richtungsweisend in der Berufsausbildung. Das war Entscheidungsträgern zu verdanken, die sehr früh erkannten, dass nur eine fundierte Ausbildung die Voraussetzungen für ein hohes beruflichens Können schaffen.

Deutschland- und europaweit sah es im 19. Jahrhundert noch nicht danach aus zielgerichtete Berufsausbildung durchzuführen.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs auch die Bevölkerung. Möbel wurden in den Ballungsgebieten, wie Dresden und Chemnitz es waren, gebraucht. Spielte vorher die Möbelherstellung im Raum Rabenau fast gar keine Rolle, boomte nun die Stuhlherstellung.

Die Berufe Stuhlbauer und Polsterer erfordern ein gutes Gefühl für Formen und ein hohes Augenmaß. Zeichnen können war sehr wichtig.

Die ersten Berufsschulräume entstanden  am Markt von Rabenau. In den1920er Jahren baute man eine neue Schule in Rabenau, die auch die Berufsschule beherbergte.

Nach 1945 entstand die BBS (Betriebsberufsschule) der vereinigten Möbelindustrie Oelsa-Rabenau in einer ehemaligen Möbelfabrik, die viel Raum für eine gute praktische und theoretische Ausbildung bot.

Es wurden an dieser Schule Polsterer, Stuhlbauer und Möbeltischler, letztere mit Abiturabschluss, ausgebildet. Die Berufsausbildung mit Abitur ermöglichte damals auch Jugendlichen das Abitur, die nicht zum Abitur am Gymnasium zugelassen wurden.

Später kam dann noch die Ausbildung von EDV-Leuten hinzu. Diese Ausbildung hatte wenig Zukunft, konnte doch die DDR, für die EDV-Produkte auf der Embargoliste standen, mit der rassanten Entwicklung nicht mehr Schritt halten.

 

Die berufliche Ausbildung in Rabenau hatte vor allem das Ziel recht viele Facharbeiter für die gesamte Möbelindustrie der DDR auszubilden, denn die Möbelindustrie der DDR war ein wichtiger Faktor im Exportgeschäft und damit der Beschaffung von Devisen. Dass man auch Stuhlbauer ausbildete nahm man billigend zur Kenntnis, denn die DDR setzte auf industrielle Massenproduktion, da war das handwerkliche Können des Stuhlbauers wenig gewünscht.

Aber die DDR setzte auch darauf die Ausbildung konzentriert mit Unterbringung in Lehrlingswohnheimen durchzuführen, konnte man dadurch die Jugendlichen dem Elternhaus entziehen und gezielt politisch formen. Im Volksmund sprach man deshalb oft vom "roten Kloster".

 

Heute bildet die Polstermöbel Oelsa GmbH im eigenen Werk in Rabenau Lehrlinge aus. Sie schafft damit den Grundstock für einen beruflich gut ausgebildeten Nachwuchs.

Die BBS Rabenau existiert nicht mehr. Die Berufsschule befindet sich heute in Freital.

Ob es weiterhin den Beruf des Stuhlbauers gibt steht offen. Der Berufsspiegel der Bundesrepublik spricht dazu Bände. Man war seit 1989 nicht in der Lage das Berufsbild entsprechend sinnvoll einzuordnen. Neben der Massenproduktion aus Billiglohnländern kann sich die Rabenauer Stuhlindustrie nur mit hochwertiger Ware behaupten und die ist preisintensiv.

 

Im Stuhlmuseum Rabenau konnte man noch einmal in einer Sonderausstellung die Ausbildung in Rabenau nachvollziehen. Viele Exponate veranschaulichten die Berufsausbildung. So mancher ehemalige Lehrling erfreute sich an den Exponaten, die Ausdruck hohen Ausbildungsstandards waren. Aber auch Exponate aus der Freizeitbeschäftigung belegten, daß die Ausbilder bemüht waren die Lehrlinge an vielfältige Fertigkeiten heranzuführen, die so mancher ehemalige Lehrling in seiner späteren Berufslaufbahn wieder nutzen konnte, ja die ihm ein breites Spektrum an Wissen und Können vermittelt hatten.

 

Auch ehemalige Lehrlinge, die eine herausragende Entwicklung genommen hatten, wurden vorgestellt. Aber nur Lehrlinge mit Abiturabschluss wurden vorgestellt. Das eine ehemalige Berufsschule der Möbelindustrie jedoch nicht stolz auf die ist, die bis nach der politischen Wende trotz manchmal schweren Bedingungen in der Möbelindustrie tätig waren, die in Entwicklungskollektiven Messegold in Leipzig errangen, dafür von höchster staatlicher Stelle ausgezeichnet wurden, die heute erfolgreiche Unternehmer sind oder die mit ihrer Tätigkeit und ihrem Können hervorragende Leistungen für die Möbelproduktion erbrachten, läßt verwundern.

Auch Leute, die Rabenau ohne Abitur verließen haben hevorragende Biographien. Anscheinend wollte man das nicht wahrhaben oder soll das tatsächlich versehentlich passiert sein? Eher war es wohl Dünkel, welcher Art auch immer.

Schade, schade...

 

Viele der ehemaligen Schüler verbanden den Stuhlbauertag mit einem Klassentreffen. Diese fanden jedoch außerhalb des Stuhlbauertages statt. Ein Gesamttreffen zu organisieren hätte die Stadt Rabenau verständlicherweise überfordert.

So beschränkte man sich auf ein Alumni-Treffen vor Beginn der Ausstellungsvernissage im Stuhlmuseum Rabenau. Es kam dabei zu interessanten Begegnungen und Gesprächen.

 

 

Jeder Polsterlehrling wird sich an den Sessel S58 zurückerinnern, der im Sitz noch mit der alten handwerklichen Polstertechnik (Schnüren und Fasson) gefertigt wurde.

Zu jeder Polsterarbeit war ein Fertigungsbericht zu schreiben und Zeichnungen anzufertigen.

Zur Berufsabschlussprüfung war eine Zeichnung im Maßstab 1:1 in Tusche vorzulegen.