60 Kilometer grenzüberschreitend wandern
Auf dem Anton-Günther-Weg
Von Breitenbach (Potucky) zur Bergstadt Platten (Horny Blatna) 
und auf den Plattenberg (Platensky Vrch
.
..
. .
© Wolfgang Trommer ZUR HAUPTSEITE GÜNTHERWEG     WEITERBLÄTTERN GÜNTHERWEG .
x

    An einem heißen Julitag haben wir uns vorgenommen von Johanngeorgenstadt hinüber ins Böhmische zu wandern. So passieren wir am frühen Morgen den Grenzübergang nach Potucky (Breitenbach), der damals noch mit Grenzkontrolle eingerichtet war, und finden uns wie überall in den Grenzorten zu Tschechien zwischen Handelszelten wieder. Den Kommentar über die Potucky reich machenden Handelseinrichtungen der Vietnamesen sparen wir uns besser. Einen Wegweiser der Aufschluß auf unser Wanderziel gegeben hätte finden wir mit Mühe. Wir nehmen dann die Straße in Richtung Horny Platna, die sehr gut mit den Wegzeichen des Anton- Günther-Weges markiert ist.  Aber im Ortsteil Ziegenschacht (Stran) verlieren wir die Wegmarkierung.

    Auf ein gutes Böhmisches Bier in der legendären Dreckschänke müssen wir verzichten. Sie ist nicht mehr und macht wie so viele in der Marktwirtschaft ruinierte altehrwürdige und traditionsreiche Unternehmen ihrem Namen unfreiwillig alle Ehre. Die Lieder AntonGünthers erzählen von der einstigen Beliebtheit der alten Gaststätte.

    Da wir den Anton-Günther-Weg nicht finden benutzen wie nun die stark frequentierte Fahrstraße. So kommen wir gleich am Ortseingang  von Platten in einer kleinen Gaststätte zu einem Bierhochgenuß, bevor wir uns der Bergstadt Platten zuwenden. Die Besichtigung der königlichen Bergstadt Platten ist ein Muß. Leider ist der Glanz dieser einst reichen Stadt durch die Vertreibung der Bevölkerung und 50 Jahren tschechischer Wirtschaft arg geschändet

      Als wäre alles, wie es immer war.

      Die malerische Kullisse der barocken Häuserfassaden im Zentrum täuscht darüber hinweg, wie die Stadt nach der Vertreibung geplündert und verfallen ist. Unbewohnt verfiel auch ein Großteil der Gebäude.

Die Bergstadt Platten, einst ausgestattet mit den  Privilegien der Könige, wuchs durch den Bergbau. In seiner Blütezeit lebten in der Stadt dreieinhalbtausend Menschen. Die größtenteils Deutschen wurden 1945 vertrieben. Die Stadt war faktisch danach menschenleer, die Gebäude wurden geplündert, verfielen oder wurden abgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut. Häuser, wie das des Heimatliederdichters Soph, einem Freund Anton Günthers sind nicht mehr. Einziges noch erhaltenes Barockgebäude ist das Heimatmuseum. Ein Wunder, denn den Bewohnern wurde nahegelegt aus dem Gebäude auszuziehen. Sicherlich wäre dann auch diese wertvolle Bausubstanz irgendwohin verbracht worden.
So ist durch die Halsstarrigkeit der Bewohner dieses schönen Hauses der arg geschändeten Bergstadt Platten wenigstens dieses historische Gebäude erhalten geblieben. Die in diesem Museum untergebrachte Exposition stellt in sachlicher Prägnanz einiges zur  Geschichte der Region dar. Die Vertreibungen werden als Teil der Geschichte dieser Stadt natürlich verschwiegen.

Blick über die Wolfspinge auf die Bergstadt Platten

      Der Plattenberg einst und jetzt

Unser Weg führt uns hinauf zum Plattenberg. Die Blicke zurück auf den Ort Platten (Horny Platna) sind beschaulich.Im Nordwesten ragt das Auersbergmassiv auf. Fast ist der Anblick des Auersberges hier von der Böhmischen Seite mächtiger als auf deutscher Seite.

Nun steigt unser Wanderweg steil bergan. Wir erreichen die Wolfspinge, und wir sind fasziniert von dem imposanten Bergsturz, der nach Beendigung des Bergbaues in der Zeche Wolfgang hier ein Canyon entstehen ließ. 
Eindrucksvoll läßt sich hier erahnen, wie mühevoll der Erzreichtum diesem Gebirge abgerungen wurde. Die Täuftiefen lagen im Mittelalter nur bei 16 Metern, im 19. Jahrhundert dann bei über 80 Metern.
Kein Wunder also, daß die Schächte zusammensanken.
Etwas weiter oben dann die Eispinge, die man auf schmalem Pfad hinabklettern kann. Es handelt sich um den Bergsturz der Zeche Georg. Der Einbruch ist so schmal und tief, daß sich selbst im Sommer Eis und Schnee des letzten Winters erhalten.
Das nutzte man 1813 nach der Völkerschlacht in Leipzig, als man von hier 6 Pferdefuhren Eis verbrachte, um die Verwundeten zu versorgen.

Nach weiterem kurzen Aufstieg erreicht man den Gipfel des Plattenberges.  Vom Aussichtsturm hat man einen herrlichen Rundblick über das Erzgebirge.

Der Gipfel des Plattenberges hatte einst neben dem Aussichtsturm ein Berghotel. Nach den Zweiten Weltkrieg verfiel das Hotel zusehens.
Dann wurde Armee auf dem Plattenberg stationiert, und das Berghotel wurde so ramponiert, daß es in den Achzigerjahren nur noch abgerissen werden konnte.
Wenigstens der Aussichtsturm ist geblieben. Außerdem gibt es eine Touristenstation.

Für diese Wanderung ist das höchste Ziel erreicht. Von der Ferne grüßt der Auersberg herüber, der hier aus dem Böhmischen eine ganz besonders imposante Kulisse abgibt. Stets bergab durch stille Wälder führt unser Weg hinab nach Breitenbach (Potucky), wo wir die Grenze wieder passieren.

 

 

 
Die Wanderstempel sind erhältlich im Museum Platten
sowie in der Touristenstation auf dem Plattenberg

xxx
 

 

ZURUECK ZUM  SEITENANFANG