AN DER SEIDENSTRASSE MITTELASIENS

    Chiwa Teil 1

 

INDEX

FRONT-MITTELASIEN

ALMA-ATA

TASCHKENT      

CHIWA-Seite 1

CHIWA -Seite 2

FERGANATAL

SAMARKANT-Seite 1

SAMARKANT-Seite 2

BUCHARA

DUSCHANBE-PAMIR

ASCHCHABAD

 

Zu fast noch nachtschlafener Zeit sind wir von Taschkent aufgebrochen. Das Flugzeug flog über den bewässerten grünen Gürtel um die Millionenstadt Taschkent und gewann rasch an Höhe. Dann waren unter uns nur noch Sanddünen der Wüsten Kysylkum und Karakum zu sehen. Das Flugzeug folgte dem Lauf des durch den Dünensand mäandernden Amu Darija.

Nowy Urgentsch wartet auf mit einem ungepflegten Hotel, einem schlechten Frühstück, einem Flußhafen und  einer überdimensionalen Leninstatue.  Lenin, so kam es mir vor, schien beflissentlich über alle Mängel hinweg zu schauen. Er hatte wohl größeres vor...

Dann die Fahrt durch die bewässerte Wüste zur einstigen Oasenstadt Chiwa.

Etwas verlassen kommen wir uns auf einem großen staubigen Platz vor, den die von der Witterung erodierten Lehmmauern der Stadtbefestigung säumen. Sie boten der alten Stadt Chiwa lange Zeit Schutz. Der Bus ist in einer großen Staubwolke davon gefahren und reiht sich in die Warteschlange der vielen Intourist-Busse ein. Sie werden die Touristen am Abend zurück in die Hotels bringen. Motorräder und LKW`s wirbeln neuen Staub auf.

Nie werde ich den Augenblick vergessen, als  diese wuchtigen Lehmmauern dieser Stadt passiert waren. Ich wähnte mich damals versetzt in eine andere Zeit. Bärtige Männer mit von der Sonne gegerbten Gesicht strebten mit ihren zweirädrigem Karren, den Arpas, dem Basar entgegen. Mit uns finster erscheinender Miene blickten sie unter der zotteligen Pelzmütze hervor, im Stiefel den Krummdolch der lange Galat weißt oft beträchtliche Gebrauchsspuren auf. Wohl war es uns nicht gleich in dieser Stadt. Man fühlte sich in die Geschichte von Alibaba und die 40 Räuber versetzt.

Doch dann vergaßen wir schnell all die "wilden" Gesellen um uns, denn nun wartete unsere Dolmetscherin mit jeder Menge Zahlen und Fakten auf, die es über diese einmalige Oasenstadt zu berichten gibt. Chiwa war Drehscheibe des Handels  - vor allem mit Sklaven -  zwischen Ost und West und zwischen Süd und Nord.

So erhebt sich gleich am Eingang zur Stadt die prächtige, mit Majolika reich verzierte Mohamed-Amin-Chan-Medrese. Über ihrem Portal in arabisch die Schrift:"Tod durch Sklavenhand". Gab es hier einen Sklavenaufstand? Daneben wollte sich jener Mohamed Amin Chan ein Denkmal setzen, daß ihn für alle Zeiten berühmt macht. Der mächtige Stumpf des Kalta Minor bestimmt die Stadtsilhuette, es sollte das höchste Minarett weit und breit werden. Warum es zu seiner Fertigstellung nicht gekommen ist, berichten Legenden und Sagen.

Unweit davon das Mausoleum des Said Alaudin. Es soll jener heilige Mann sein, der im Märchen Aladin und die Wunderlampe verewigt ist. Inzwischen sind 40 Grad im Schatten erreicht, die Stadtführung verlangt Durchhaltevermögen. Da kommt das Mausoleum des Pachlawan Machmud, dessen blaue Kuppel aus Majolika  die Lehmhäuser weit überragt und das Stadtbild prägt, gerade recht. Durch einen Torbogen betreten wir den Innenhof. Ein hoher Aiwan, ein Dach, das von reich verzierten Holzsäulen getragen wird spendet Schatten. Ein Wächter reicht uns Wasser aus dem heiligen Brunnen, dessen Wasser ewiges Leben schenken soll. Im Augenblick löscht es erst einmal den Durst.

In einem Raum der reich mit Majolika verzierte Sarkophak des heiligen Mannes, um dessen Grabmal sich alles was Rang und Namen in Chiwa hatte begraben ließ.

Vom Islam-Hodsha-Minarett kann man die ganze Stadtanlage der alten Oasenstadt bewundern. Einen kleinen Eindruck von diesem Panorama vermittelt das Kopfbild diese Seite.

Das Zentrum der Stadt mit dem ehemaligen Basar zieren zwei Medresen, deren Besichtigung in jedem Falle lohnt. Ein weiterer Höhepunkt ist der Palast des Chans von Chiwa. Im Innenhof steht eine schwarze Reisekutsche, ein Geschenk des Zaren. Da die Gassen Chiwas für diese Kutsche viel zu eng waren, wurde sie in Einzelteile zerlegt und im Palast wieder zusammenmontiert.

Wunderbar bemaltes Dachgebälk, filigran geschnitzte Säulen, Türen mit Blatt- und Blumenornamenten faszinieren den Besucher. Den ehemaligen Harem des Chans, der sieben Frauen gehabt haben soll, schützten filigrane Gitter aus Stein vor neugierigen Blicken.

Durch das ehemalige Gefängnis Chiwas führte eines der Stadttore in die Stadt. Die Passanten, die in der Stadt kamen oder die sie verließen, konnten die Gefangen nach Belieben demütigen. Hart waren die Urteile der Kasi-Gerichte, denen muslimische Geistliche angehörten, die die Scheria, die das Leben der Muslime regelte, sehr willkürlich bei dem Strafmaß auslegten. Todesstrafen wurden auf verschiedene grausame Art ausgeführt. Für Ehebruch und Diebstal stürzte man Frauen in einem Sack vom Minarett, Männer köpfte man mit dem langen Henkermesser. Seltener steinigte man. Als mildere Strafen galten die lebenslange Haft im Sindan, dem Todesbrunnen, wo der Häftling nicht nur mißhandelt sondern auch von Ungeziefer furchtbar gequält wurde.  Urteile waren auch das Abhacken einer Hand, das Abschneiden eines Ohres oder der Nase, und das Ausstechen eines oder beider Augen. Erst als der Zar die Macht in Mittelasien übernahm, wurden diese grausamen Methoden wenigstens gelindert, indem den Kasi-Gerichten die Allmacht genommen wurde.

 

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         Letzte Aktualisierung 30.12.2007

 

x  © Wolfgang Trommer

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