GREIZ im Kalenderblatt Juli 2008

 


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Die Papierherstellung in Greiz

 

   Die Papierfabrik links noch mit altem Schornstein und rechts das bereits entkernte Werk

Deutschland ist heute einer der größten Verbraucher von Papier. Wenig wird der neue Gedanke Papier wieder beidseitig zu bedrucken den Papierverbrauch senken, denn die Flut an Postwurfsendungen, Werbedrucken und Amts- sowie Geschäftspost ist immens.

Der wachsende Papierbedarf der Gesellschaft war einst auch Auslöser für Entstehung der Papiermacherei, und das kleine Fürstentum Reuß stand dieser Entwicklung nicht nach.

 

1589 bekam der Papiermacher Hans Roth die Genehmigung zum Betreiben einer Papiermühle an der Gräßlitz im heutigen Aubachtal. Doch die Bedingungen und auch die Zeiten waren schlecht. Wohl hat der 30-jährige Krieg seine Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg gezeigt. Die Besitzer wechselten, und die Forderungen des Fürstenhauses nach kostenlosem Papier waren hoch. Dreimal wechselten die Besitzer, bis ein Valentin Tischendorf aus Reinsdorf die Papiermühle übernahm und sie an der Göltzschmündung in die Weiße Elster ansiedelte. Trotz Schwierigkeiten und der Anfeindung durch die vogtländische und erzgebirgische Konkurenz kamen die Papiermachergenerationen der Tischendorfs zu beachtlichem Wohlstand, wovon auch der Bau einer Seitenkapelle in der Reinsdorfer Kirche zeugt, wo die Tischendorfs ihren Kirchenstand hatten.

Wie so oft währte das Glück nicht ewig. Der letzte Firmenbesitzer kommt in wirtschaftliche Schwierigkeiten und stirbt sehr jung.

  

 

 

 

 

 

 

Ein ehemaliger Lehrling übernimmt die Papierfabrik. Sein Name ist Friedrich August Günther, und mit dem Familiennamen der Günthers wird die Greizer Papierherstellung ihren Höhepunkt und ihre Glanzzeit erleben. Mit dem Namen Günther verbindet sich höchste Qualität der Papierherstellung. Die Papierfabrik wächst zusehens, auch durch den Einsatz modernster Technik. Für den Einsatz von Spezialpapieren in der wachsenden Textilindustrie der Region leistet die Papierfabrik eine wichtigen Beitrag durch die Herstellung von Spezialkarton.

Auch sozial engagiert sich der Unternehmer Günther. Für seine Angestellten errichtet er eine ganze Siedlung auf den Höhen über dem Gölzschtal. Auch eine werkseigene Gärtnerei und eine Wäscherei gibt es. Die Papiermacher haben ein eigenes Kulturhaus. In Irchwitz wird ein Kindergarten, das Margarethenheim, gebaut. Noch heute ist diese Einrichtung ein Kindergarten. Auch das Günthersche Gut in Irchwitz gehört zum Unternehmen. Handwerker aller Gewerke unterhalten den riesigen Betrieb. mehr als 1000 Menschen finden im Unternehmen Arbeit.

Günther ermöglicht mit anderen Greizer Unternehmern den Bau eines Hallenbades in Greiz dessen Schwimmbecken sich im oberen Geschoß des Gebäudes befand.

Das Ende der Günthers in Greiz beginnt mit dem Untergang des Dritten Reiches. Die Papierfabrik hatte, wie viele andere Unternehmen auch, Kriegsgefangene zu Arbeitszwecken genutzt. Viele starben unter den schlechten Bedingungen. Die Familie Günther wird enteignet und flieht nach dem Westen Deutschlands.

 

 

Nach 1945 firmiert das Unternehmen als VEB (Volkseigener Betrieb) Papierfabrik Greiz. Eine neue Papiermaschine für Spezialpapier, die Papiermaschine VII,  entsteht im Gölzschtal. Sie findet nach der politischen Wende neue Besitzer. Die "alte" Papierfabrik wurde versucht von engagierten Leuten weiter zu führen. Leider ist man gescheitert.

Es bleibt zu hoffen, daß wenigstens das Filetstück der Papierfabrik, die Papiermaschine VII, die über vierhundert Jahre währende Tradition der Papierherstellung in Greiz fortführt.

 

 

 

 

 

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© Wolfgang Trommer