GREIZ im Kalenderblatt März 2004

 

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Der Marstall

Das Gebäude des Marstalles diente einst dem Fürstenhaus zur Unterstellung der Pferde und Fuhrwerke. Später dann fristete das Gebäude ein wenig repräsentatives Dasein im Stadtbild von Greiz. 
Inzwischen ist das historische und eigentlich nicht aus der Stadtgeschichte weg zu denkende Gebäude verkommen. Wird das historische Gebäude für immer aus dem Stadtbild verschwinden? 
Breiten Straßen und Einkaufstempeln wäre der Marstall, der unter Denkmalschutz  gestellt ist, im Wege...

 

 

Die letzte Frist

Die Geschichte bis zum Abriß des denkmalgeschützten Gebäudes ist lang und bestimmt auch fasettenreich. Zu DDR-Zeiten hatte hier ein Kohlehandel seine Niederlassung. Zunächst sollte der Marstall nach letzten Plänen in einen Einkaufstempel integriert werden, doch der Investor scheute sich vor der Einbeziehung des Marstallgebäudes in das neue Ensemble, wie vom Denkmalschutz angestrebt. Er zog sich zurück. Auch die Einbeziehung des Torportales in das neue Gebäude fand als Kompromißvorschlag leider keine Lösungsansätze.

So bekam das für die Residenzstadt Greiz typische Gebäude nur noch die Gnadenfrist bis der Verfall einen Abriß rechtfertigte.

 

 

Der Abriß

Längst war der Abriß des Marstalles in Greiz beschlossenen Sache. Viele Bürger, besonders unmittelbare Anwohner waren begeistert, daß das Gebäude verschwand. Im Jahr 2006 haben die Denkmalbehörden schweren Herzens letztendlich dem Abriß zugestimmt. Weit war der Verfall nun fortgeschritten. Nun war der Abriß die einzige Lösung.

In der heutigen Zeit erledigen die Bagger und Abrißmaschinen schnell ganze Arbeit.

 

So ist der "Schandfleck", wie der Bürgermeister der Stadt verlauten ließ schnell verschwunden.

 

 

Wenn ein Denkmal verloren ist ...

... verliert sich mit dem Denkmal ein Stück unserer Geschichte und unserer Identität, ein Stück Individualität. Es existieren besonders in Thüringen viele erhaltenswerte Denkmäler und so auch zahlreiche in unserer Stadt Greiz, deren Erhalt große Summen Geld verschlingen.

Unser Marstall war nun einmal nicht die Anna Amalia Bibliothek, aber er war ein nur noch selten anzutreffendes Bauensemble eines ehemaligen kleinen Fürstentumes. Nur noch wenige dieser Marställe haben sich erhalten. Wenigstens das Portal des Greizer Marstalles wurde zu einer späteren Verwendung verwahrt. Ein klein wenig bleibt so vielleicht von unserem Marstall der Nachwelt erhalten, also ein kleiner Hoffnungsschimmer. Ein Denkmal, das am Ende völlig verkommen war, ist verschwunden. Nur das Hundeklo an seinem Südgiebel steht mitten im Areal, das mit anfallendem Bauschutt großflächiger planiert werden konnte und auf dem nun Autos stehen - vielleicht ein schönerer Schandfleck - mehr nicht.

 

 

Die Neugestaltung des Areals ...

... erfolgte mit der Vorbereitung des Stadtjubiläums im Jahr 2009 und wurde nun komfortabler Behördenparkplatz. Hatte der Abriß schon einen sechstelligen Betrag verschlungen, die Neugestaltung bedurfte nochmals eines fast sechsstelligen Betrages. Wer weiß welche Kosten dann anfallen, wenn die Marstallstraße, zweispurig ausgebaut werden wird. Wir werden sehen und weiter fleißig dafür Steuern bezahlen...

 

 

 OTZ vom  28. Januar 2012: