GREIZ im Kalenderblatt August 2010

 

 
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Die Fürstensäle

im Oberen Schloss zu Greiz

 

 

 

    Blick in den restaurierten Fürstensaal. Hier paaren sich historische Bausubstanz und Moderne.

     
     

Die einmalige Sensation bei der Restaurierung der Fürstensäle war perfekt als man in der Bausubstanz eine Doppelkapelle entdeckte. Eine Burg, die mit rotem Ziegel erbaut war muß ein hohes Haus gewesen sein, wenn es dazu noch über eine Doppelkapelle verfügte um so mehr. Doch die Aktenlage zur Historie der Greizer Burg ist dünn. Wenn überhaupt wird die Korrektur der Greizer Geschichte ein kriminalistisches Puzzlespiel der Archäologen, Historiker und Wissenschaftler.

Es stellt sich die Frage, warum überhaupt nichts über die Existenz der Doppelkapelle bekannt war. Es stellt sich auch die Frage, was die Schloßsanierung wohl noch an Geheimnissen preisgeben wird. Wird jemals die Historie des Oberen Schlosses, der Greizer Burg, ans Licht der heutigen Zeit gefördert werden können? Keiner weiß es. Fakt ist, daß die Reußenfürsten eher unbedeutende Fürstenhäuser gewesen sind. Wenn aber Greiz ein hohes Haus gewesen ist, wie kam es dann zu jenem gesellschaftlichen Niedergang vom hohen Haus zum unbedeutenden Fürstentum.

War es die Neufestlegung der Handelsstraßen und Stapelplätze? Waren die Reußenfürsten beim Kaiser Barbarossa in Ungnade gefallen? Haben sich die Reußen selbst aus der "großen Politik" zurück gezogen? Alles nur Spekulationen aber auch Spekulationen über die man nachzudenken und zu forschen hat.

Mit der vollständigen Fertigstellung der Fürstensäle und deren Nutzung als museale Räume hat Greiz eine einmalige Stätte der Begegnung erhalten. Die Fürstensäle werden bereits als Veranstaltungsräume und für Feierlichkeiten genutzt. Auch der sanierte Marstall im Oberen Schloß dient bereits als Ausstellungsraum und als Tagungsstätte. Der restaurierte Schloßturm erhielt eine neue Turmuhr und kann im Rahmen der Schloßführungen besichtigt werden.

Die beginnen übrigens im Touristenbüro, das im Torhaus die Besucher empfängt. Auch dieses Torhaus läßt erahnen, welches Schmuckstück das Obere Schloß einmal sein wird. Wer an einer solchen Führung teilnimmt kann nicht nur die bereits fertig gestellten und oben beschriebenen Räumlichkeiten bewundern. Auch Räume, die einst als Wohnräume genutzt worden sind und in denen jetzt die Restaurierung vorgesehen ist, können besichtigt werden. Wer öfters an Führungen im Oberen Schloß teilnimmt kann dann mitunter auch den Baufortschritt bewundern. Vor Baubeginn kann der Besucher aber auch sehen, welchen Aufwand die Restaurierung des Oberen Schlosses erfordert.

 

 

Aus rotem Ziegel gemauertes Fenster im Keller unter der Doppelkapelle.

Auch hier entstehen Ausstellungsräume.

 

 

 

 

 

 

 

 

20 Jahre Altstadtsanierung

Im Juli 2010 jährte sich zum zwanzigsten Mal der Beginn der umfangreichen Sanierung der Altstadt von Greiz. Dies würdigten Bürgermeister und Stadtbauamt mit einer wunderschönen Broschüre, die in limitierter Auflage über die Sanierung des Altstadtareals einschließlich des Unteren und Oberen Schlosses informiert.

Größtes Projekt in diesem Programm ist wohl das Obere Schloß, in dem das Torhaus. der Schloßturm, der Marstall im Oberen Schloß und die Fürstensäle weitestgehend saniert werden konnten. Vieles wird in Zukunft noch im Oberen Schloß zu bewerkstelligen sein. Den Greizern und auch den Gästen der Stadt kann man nur empfehlen regelmäßig an Schloßführungen teilzunehmen um den alten Zustand und den Baufortschritt in den alten Gemäuern mit zu verfolgen.

 

Unsere Altstadt einschließlich der historischen Bauten ist schmuck geworden. Viele Privatleute nutzten die Fördermöglichkeit und machten aus ihren Wohnhäusern wieder wahre Schmuckstücke.

Leider kann man nicht verschweigen, daß auch so manches Gebäude in unserer Stadt durch Aufstockungen die Blickachsen in der Stadt nachteilig veränderten. Nicht unangesprochen kann bleiben, daß der Marstall als denkmalgeschütztes und einmaliges historisches Gebäude geschliffen wurde. Auch ist der Zustand vieler Gebäude, ja ganzer Straßenzüge  außerhalb der Grenzen des Areals Altstadt durch Wegzug der Menschen, Leerstand und marode Bausubstanz in einem jämmerlichen Zustand.

Wie der Bürgermeister in seiner Ansprache betonte hat die Altstadtsanierung auch Arbeitsplätze im Baunebengewerbe und im Baugewerbe geschaffen. Das kann trotzdem kein Trostpflaster für den präkären Mangel an Arbeitsplätzen sein. 

Verblaßte Schönheit des Stuckes in ehemaligen Wohnräumen des Oberen Schlosses. Viel Arbeit der Stuckateure wird erforderlich sein um die dicken Farbschichten zu entfernen, den Stuck zu restaurieren und den Räumen seinen einstigen Glanz zurück zu geben.

Der Innenstadtbereich hat sich positiv verändert. Aus dem grauen "Aschenbuttel" einer Industriestadt ist eine farbenfrohe und attraktive  Kommune geworden. Der Blick aus den Fenstern der restaurierten Fürstensäle ist einmalig .

 

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© Wolfgang Trommer