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Der Hohe Stein (Vysoký kámen)

 

 

Die Wirren des Zweiten Weltkrieges hatten über dieses Wanderziel den Mantel des Schweigens gedeckt. Die älteren Vogtländer wußten schon, was es mit dem Hohen Stein auf sich hatte, doch uns Nachkriegsgenerationen hatten erst Stacheldraht und später ein Schilderwald aus gelben Grenzschildern mit der Aufschrift  "Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik" Wege hinüber ins Böhmische zum Tabu gemacht.

Man sollte bei der Wahl des Wanderweges unbedingt die Staatsgrenze akzeptieren. Auch wenn die Tschechische Republik dem Schengener Abkommen beigetreten ist, bedeutet das noch lange nicht, daß man die Grenze an jeder beliebigen Stelle passieren darf. Noch sind die für den Grenzübertritt eingerichteten Stellen zu benutzen.

So wählten wir zum ersten Male den Hohen Stein an einem frühen Herbsttage nach 1994 zu unserem Wanderziel aus.

Unweit Markneukirchen befindet sich der kleine Ort Wernitzgrün. Auf der Höhe über dem Ort thront ein verlassene Ferienheim, eines jener Heime in der DDR von dem die Einheimischen zu berichten wissen: "Wenn hier keiner mehr Wasser oder Licht hatte, die da oben hatten immer welches..." - Geschichte.  Hinter dem Ferienheim befindet sich der Grenzübergang für Fußgänger. Wir folgen der Fahrstraße bis in den Ort Luby (Schönbach), um uns für die weitere Wanderung mit Böhmischen Knödeln und einem guten Pilsener Bier zu stärken. Die Bewohner der Stadt ernährte zunächst der Bergbau, später dann der Bau von Musikinstrumenten. Nach Aussiedlung der größtenteils deutschen Bevölkerung hat der Ort stark gelitten. Das 1945 noch intakte Schloß ist nicht mehr vorhanden. Auf uns macht der Ort keinen sehr einladenden Eindruck.

 

 

 

 

Über die uns endlos erscheinende Fahrstraße erreichen wir Kirchberg. Vom Ort ist dann der Aufstieg hinauf zum Hohen Stein nicht mehr weit. Der hochaufragende, bizarre Granitfelsen ist faszinierend. Vom Aussichtspunkt in 773 m Seehöhe bietet sich uns ein imposanter Ausblick in Richtung Süden und Westen ins Elstergebirge, ins Fichtelgebirge, zum Frankenwald und dem Thüringer Schiefergebirges mit Ochsenkopf aber auch hinein ins oberböhmische Bergland. Imposant ist auch der Blick hinüber  ins deutsche Vogtland mit seinen zahlreichen Siedlungen und Städten. Wir haben Glück und wohl einen jener Tage ausgewählt, der uns das entsprechende Licht für eine grandiose Fernsicht bietet. Dafür treibt uns ein Regenschauer bald vom Felsen.

Einsam ist es um den Hohen Stein geworden. Das beliebte Wirtshaus und auch die Kapelle sind verschwunden. Und der hohe Stein selbst würde nicht mehr existieren, hätte nicht zu k.und k. Zeiten die unter Nuturschutzstellung des Hohen Steines erfolgen können. Dem einmaligen "Steinernen Meer" am Hohen Stein hat das nichts nutzen können. Es ist verschwunden, und fristet jetzt irgendwo als Straßenschotter sein weniger imposantes Dasein.

Kirchberg sollte man auch einen Besuch abstatten, insbesondere der alten Kirche mit geheimnisvollen Reliefs an der Außenwand.
Aber diesmal sind wir zu fußmüde von unserer Wanderung, und außerdem froh, daß wir den direkten, kürzeren Weg zur Ausgangsposition unserer Wanderung finden, der Fahrstraße unterhalb des Grenzüberganges.

Vielleicht werden wir auf einer der nächsten Wanderungen von Heinrichsgrün oder von Graslitz (Graslice) aus andere Wege zu unserem Wanderziel, dem Hohen Stein, finden. Die Sagengestalten am Hohen Stein, die Kobolde, verzauberte Ritter und eine Weiße Frau sind uns nicht erschienen. Na, vielleicht ein andermal ...

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