ZURÜCK

Auf der alten Poststraße von Oberwildenthal nach Hirschenstand (Jeleni)

 

Wo sich in einem Wiesengrund die stattliche Ortschaft Hirschenstand befand künden heute noch Unebenheiten in der Wiese von dem was hier schreckliches geschah. Vom Gasthof "Weißer Hirsch" zieht sich schräg nach links die Poststrasse hinauf zum Wald und zur sächsischen Grenze. Im Gasthof erinnern Fotos an den Ort, der nur noch in der Erinnerung ist.

 

Alte Post- und Handels- und Heerstraßen haben etwas besonderes.
Vor allem in Sachsen, finden sich doch an den Sächsischen Poststraßen jene einmaligen, nur in Sachsen anzutreffenden Postmeilensäulen.

Die hier beschriebene alte Poststraße führt von Blauenthal über Wildental heraufkommend über den Kamm des Erzgebirges hinüber ins  mondäne Kalsbad, und wurde schon deshalb in ihren besten Jahren viel genutzt.

Als ich in den Siebzigerjahren hinauf zum Auersberg wanderte sah ich, an einen Holzschober gelehnt, ein altes Straßenschild mit der Aufschrift: "Karlsbader Straße". Was für eine Entdeckung, durfte doch damals zu tiefsten DDR-Zeiten der deutsche Name von Karlovy Vary nicht in den Mund genommen werden! Das Nennen des deutschen Namens von Ortschaften im Böhmischen auf Befragung des Zolls an den wenigen Grenzübergängen nach Tschechien konnte zu Repressalien führen.
Die Grenze auf dem Erzgebirgskamm war hermetisch abgeriegelt. Was nach 1945 dort geschehen war, das wußten Betroffene. Gesprochen wurde über die Vertreibung besser nicht.

 Und heute? - Heute ist diese Straße wieder verzeichnet in den Wanderkarten als "Karlsbader Straße". Wir wollen auf ihr über den Kamm des Erzgebirges hinüberwandern nach Hirschenstand, heute Jeleni.

Durch stille Wälder führt die Straße an der Großen Pockau entlang. Unterwegs weist eine sächsische Postmeilensäule den Weg. Steil führt die Straße hinauf zum Erzgebirgskamm. Dort versperrten große eiserne Tore den Weg, doch heute nur noch optisch.
Die Grenze ist hier über einen Fußgängerübergang wieder passierbar.

Gleich nach der Grenze führt der Weg immer gleichmäßig bergab nach Hirschenstand (Jeleni). Der Ort besteht heute nur noch aus wenigen Häusern. Im Gasthaus kann man anhand von Fotos und einem historischen Bild erkennen, wie groß der Ort einmal gewesen ist. Man hat die Häuser eingeebnet, aber auf den Wiesen des Tales verraten Unebenheiten, Wege und Baumgruppen noch immer den Standort der Anwesen.
Das menschliche Leid, das an den Vertriebenen als Folge des Zweiten Weltkrieges angerichtet wurde läßt sich kaum noch erahnen.

Auch die Kirche von Hirschenstand ist nicht mehr. Die ehemals deutschen Bewohner von Hirschenstand haben an der Stelle, an der einst die Kirche stand, ein Denkmal der Aussöhnung errichtet. Alljährlich zum Kirchweihfest treffen sich Tschechen und Deutsche hier zum Gottesdienst.

Von Jeleni führt der Weg weiter hinauf in die Hochmoore um Sauersack. Dort kann man die andere Seite der Gewalt des zweiten Weltkrieges erfahren.

 

Hier stand die Pfarrkirche  "Heiliger Antonius von Padua"

An dieser Stelle haben 1993 ehemalige Bewohner von Hirschenstand und Neuhaus diesen Gedenkstein errichtet.

Wir gedenken unserer Verstorbenen, den Gefallenen und Vermißten der Weltkriege 1914-1918 und 1939 -1945 sowie der Opfer der Kriegsfolgen.

 

 

 

Inschriften auf diesem Denkmal:

das Dorf Hirschenstand 961 m ü.d.M. wurde vermutlich von Schneeberger Bergleuten im 15. Jahrhundert gegründet.

Die Katholische Kirche "Heiliger Antonius von Padua" ist im Jahre 1832 neu erbaut. Nach der Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung wurde sie nach 1946 noch als Stall genutzt wurde die Kirche letztendlich abgerissen.

Bis zur Aussiedelung 1946 standen hier 140 Häuser mit ca. 800 Einwohnern.

Zu dieser Pfarrei gehörten auch ca. 350 Einwohner vom Nachbarort Neuhaus mit ca. 80 Häusern.

 

 

Überall auf dem Kamm des Erzgebirges sind Gedenksteine der Menschen zu finden, die ihre Heimat aus der sie vertrieben wurden nicht vergessen.

 

 

Anmerkung:
Wer im Winter hierher als Skifahrer kommt, kann dies auf der Skimagistrale
Erzgebirge / Krusne Hory tun. Sie tangiert den Ort. Der Skifahrer kann die Grenze saisonal auf die Winterzeit beschränkt auch oben am Kamm des Erzgebirges am Grenzeck nach Johanngeorgenstadt und Oberjugel wechseln.

 

 

LETZTE AKTUALISIERUNG: 19.04.2008

© Wolfgang Trommer

 

ZURÜCK  ZUM  SEITENANFANG