ZURÜCK

Heinrichsgrün (Jindrichovice)
Wenn Sie erleben wollen, was der Krieg alles anrichten kann,
dann kommen Sie nach Heinrichsgrün...


So könnte vielleicht der touristische Werbeslogan für diesen arg geprüften Ort in der Weltkriegsgeschichte lauten. Und dennoch der Besucher könnte es nur erahnen, was der Krieg an den Menschen anrichtet.

Oben auf dem Oberen Plan (Horny plan) befindet sich das Mausoleum für die nach dem Ersten Weltkrieg hier in einem Kriegsgefangenenlager inhaftierten Kriegsgefangenen.
Es waren an die 30000 Serben, Russen und Italiener, von denen zwischen 7000 und 10000 die unzureichenden hygienischen und klimatischen Bedingungen nicht überstanden. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, denn auch aus anderen Lagern in der Tschechoslowakei wurden die sterblichen Überreste von Kriegsgefangenen hierher verbracht. Sie liegen im zum Mausoleum umgebauten Wasserwerk
übereinander geschichtet in nummerierten kleinen Holzsärgen, die in ihrer größten Abmessung nicht mehr als einen halben Meter messen. Doch was sind schon Zahlen am unermeßlichen menschlichen Leid, was hier geschah, und was macht da schon unsere Betroffenheit aus.

 

Will man das Mausoleum besichtigen, muß man ein bissel findig sein, aber man findet schon die Personen, die den Zugang ermöglichen.
Jindrichovice erreicht man über die Grenze von Klingental nach Graslice und weiter auf der Straße nach Karlsbad. Wir kommen in den Ort an einem Himmelfahrtstage und besuchen am Nachmittag den Gottesdienst in der altehrwürdigen Pfarrkirche St. Martin. Während des Gottesdienstes haben wir genügend Zeit den noch immer in deutscher Schrift vorhandenen Kreuzzug zu betrachten. Auch werden wir von den zum Gottesdienst gekommenen 3 alten Damen sehr herzlich begrüßt und aufgenommen. Der etwas quirlige Pastor hat seine eigene Art die Messe zu lesen. Später erfahren wir in einem Gespräch, daß er an solchen Tagen in 8 Orten Gottesdienste abhalten muß. Dann disskutiert er noch etwas mit uns über Gott und die Welt, nachdem er seine Heiligenfigur im Auto verstaut hat, und das aus dem schon anfahrendem Auto heraus, und schon ist der Gesprächspartner zum nächsten Gottesdienst geeilt. Schade, wir hätten gerne länger mit ihm geredet.

 

Dann wandern wir mit einem Begleiter durch Heinrichsgrün, doch vom Ort ist nicht mehr viel geblieben. Nur Straßen gibt es viele, aber wenige Häuser daran. Sogar eine Schloßstraße hat der Ort und die führt zum gut erhaltenen Schloß Heinrichsgrün, das ein Archiv beherbergt. An der Schloßstraße, die hinauf zum Schloß führt stehen noch 3 Häuser.
Und die sind halb verfallen. So macht der ganze Ort einen Eindruck,, der nicht zu einem Dorfe und nicht zu einer Stadt so recht passen will. Das Rathaus abgebrannt, die Häuser nach und nach verfallen und geschliffen, das alte Denkmal des Nepumuk an einem jetzt charakterlosen Platz und die Kirche im Zentrum gerade so erhalten. Das ist das Bild, was sich dem nachdenklichen Betrachter bietet.
Viel mehr Menschen sollten sich in der jetzigen Zeit Klarheit verschaffen, was Kriege und Zwistigkeiten  zwischen den Menschen anrichten können, bevor die Erfahrungen unserer Väter in Vergessenheit geraten und wir oder unsere Nachkommen deren Erfahrungen selbst erneut sammeln müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

ZURÜCK  ZUM  SEITENANFANG                                                                                                                                        LETZTE AKTUALISIERUNG: 19.04.2008