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x© Wolfgang Trommer

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Chronik der Stadt Greiz Kalenderblatt des Monats Im Kalender blättern

Kalender 2013

 

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Greiz im Kalenderblatt

Eine Stadt anhand der kleinen Dinge am Wegesrand zu sehen, das ist einen Versuch wert. Ob es mit diesen Kalenderblättern dabei gelingen wird die Stadt Greiz zu porträtieren braucht Zeit - warten wir das Ergebnis ab. 

   (Die Kalenderblätter werden am
   Anfang des aktuellen Monats 
   veröffentlicht.)

 

Was macht ihn aus, den Reiz der Stadt Greiz?

Wer von den zahlreichen Aussichtspunkten auf den Anhöhen die Stadt erblickt, der ist überrascht von der Schönheit der Stadtanlage. Der Reiz der Stadt Greiz ist die Natur, in die sie eingebettet ist. Aber auch der Charakter der ehemaligen Residenz eines alten Fürstenhauses, der Reußen Älterer Linie prägt diese Stadt:

Das Obere Schloß, das mit seinen Renaissancegiebeln hoch über der Greiz thront und dessen Bergfried durch seine barocke Haube etwas an Wehrhaftigkeit verliert und an Heiterkeit gewinnt. Das aber manchmal auch durch seine Erhabenheit und Mächtigkeit den "kleinen Mann" unten in den engen Altstadtgassen fast erdrückt. Leider hat man mit der Renovierung des Schlossturmes auch die typische Barockhaube verändert, was vielen Greizern, weniger gefällt.

Der Greizer Park, gestaltet nach dem Vorbild englischer Landschaftsparks, passt sich mit seiner kunstvollen Gartenlandschaft einzigartig in die ihn umgebende Landschaft des Elstertales ein. Man muss diesen Park zu allen Tages- und Jahreszeiten erleben um ihn zu entdecken und zu begreifen. 
Das Sommerpalais im Greizer Park, einst Sommersitz der Fürsten, mit seinen einmaligen Kunstschätzen an Büchern und Kupferstichen ist weit über Greiz hinaus bekannt.

In der Altstadt bilden Unteres Schloß, Alte Wache, Lyzeum, Gymnasium und Stadtkirche ein einzigartiges Ensemble des Klassizismius.
An alten fürstlichen Bauten bleibt noch der Marstall zu nennen, der trotz Denkmalschutz in einem jämmerlichen Zustand sein Dasein bis zum Abriss 2006 dahinfristete.

Ehrliche und fleißige Männer verhalfen der Stadt in einem neuen, dem industriellen Zeitalter, zu wirtschaftlichen Glanz und Ruhm. Die Arbeit zog Menschen an, die Stadt platzte aus ihren Nähten.
Neues Wahrzeichen der Stadt waren rauchende Schlote. Sie brachten Wohlstand aber auch der Stadt Greiz das Prädikat eine der an Smok reichsten Städte zu sein. das ist seit dem starken Rückgang der Industrie vorbei - einziger Vorteil der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt nach der Wende, wenn man das Verschwinden des Einheitsgraus der Gebäude vernachlässigt.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entsteht die Greizer Neustadt. In prunkvollen Villen siedeln sich die wohlhabenden Greizer Fabrikanten in Bahnhofsnähe an. Greiz hatte damals eines der modernsten Fernsprechämter Deutschlands. 
Der Stolz der Stadt wird die Carolinenstraße, die Prachtstraße der Greizer, im Stil der Gründerzeit erbaut.

In der Altstadt von Greiz entsteht ein heute noch einmaliges Jugendstilensemble von Wohnhäusern zwischen der Markt- und der Thomasstraße. Der letzte verheerende Stadtbrand in Greiz hatte Baufreiheit "geschaffen" und ein gewonnener Krieg gegen Frankreich brachte Wohlstand in die Stadt.
Doch die arbeitende Bevölkerung schaffte es oft nicht über ärmlichste Lebensverhältnisse hinaus. Verbesserte Lebensbedingungen entwickelten sich erst mit verstärktem sozialen Engagement der Unternehmer und der Gesellschaft im 20. Jahrhundert. Es entsteht ein Hallenbad und zahlreiche soziale Einrichtungen und eine Vielzahl an Turnhallen und Sportstätten. Letztere schufen sich meißt die Turnvereine in Eigenleistung mit Spenden der Vereinsmitglieder und honoriger Personen der Stadt.

Die Stadtbrände haben leider nicht viel an alter Bausubstanz in Greiz erhalten, die den historischen Baukörper der Fürstenresidenz  repräsentierte. Dafür entstanden nach dem letzten großen Stadtbrand einzigartige Ensembles im Stil des Neoklassizismus. Noch einmal repräsentierte sich damit die fürstliche Macht . Doch schon ab der Mitte des 19. Jahrhunderts dämmert die neue Macht des Kapitals in Greiz herauf. Die Stadt hat, obwohl der Fürst dem mächtigen Preußen abhold ist, das erste Bismarckdenkmal Deutschlands. Die Industriellen setzten sich mit der Aufstellung des Denkmals durch und mit Ende des Ersten Weltkrieges ist die Macht des Fürsten ohnehin zu Ende.

Vieles, was die Stadt prägte, verfiel und verkam in der Zeit der kommunistischen Ära. Aber nicht der Kommunismus allein war Schuld an der Entwicklung nach einem verheerenden Zweiten Weltkrieg. Viele der Greizer Unternehmer hatten sich mit dem System des Dritten Reiches identifiziert und manchmal schwere Schuld auf sich geladen. Sie mußten nach Westen flüchten, als Greiz in die russische Besatzungszone kam.

Trotz Kalten Krieges und Embargos des Westens entwickelte sich in Greiz eine leistungsstarke Industrie weiter. Erst nach der Wende kam das rigorose Aus einer angeblich maroden Industrie.

Viele der ehemaligen Unternehmer oder deren Nachfolger sicherten ihre Pfründe nach der politischen Wende 1989. Zurück kamen die wenigsten Unternehmer, was auch einer verfehlten Treuhandpolitik zu schulden ist. Aber 50 Jahre seit Ende des 2. Weltkrieges waren vergangen und so war die alte Unternehmerelite im Westen längst neu etabliert.
Warum hätte sie nun in Greiz investieren sollen? - Leider sind das Tatsachen.

Auch die letzte Zeit seit der politischen Wende zeigt nicht nur positive Erscheinungen für diese Stadt:
Die Neustadt mit ihren mondänen Villen ist ohne Leben. Viele Gebäude sind unbewohnt. Altehrwürdige Häuser, darunter der Marstall und typische alte Bürgerhäuser verkamen. Die Zeugen der industriellen Entwicklung, die Produktionsgebäude, verschwinden und hinterlassen unansehnliche Industriebrachen. Konsumtempel machen sich allenthalben auf den freien Flächen breit. Sie tragen mit ihrer Einheitsarchitektur auch nicht nur positiv zum Stadtbild bei. Ein Kaufhaus in der Stadt zu etablieren scheiterte aus vielerlei Gründen. 20 Jahre Altstadtsanierung haben die Altstadt zu einem Schmuckstück werden lassen. Hinter diesem Areal des Sanierungsgebietes fällt ein typisches Gebäude nach dem anderen. Greiz verliert dadurch auch sein Flair.

 

2011 wurde in der Greizer Neustadt ein neues Theater, die Vogtlandhalle, eröffnet. Der neue Musentempel wertet die Neustadt, besonders aber seine Prachtstraße auf. Die Vogtlandhalle ersetzt das Greizer Theater und soll das Kulturleben in der Stadt verbessern helfen. Wird dieser neue Musentempel angesichts leerer Kassen, die andere Theater infrage stellen, bestehen können? Allmählich entwickelt sich auch die Neustadt wieder positiv. Es gibt zahlungskräftige Leute und Firmen, die sich die Restaurierung einer der Neustadtvillen leisten können.

Beim Bau der Schloßbrücke und der Neustadtumgehung wurden vielleicht große Chancen vertan Greiz zur effektivsten Verkehrslösung zu verhelfen. Die Fernstraßen, die Aufschwung ermöglichen, harren ihres Ausbaus. Zu den Autobahnen der Region sind die Verkehrswege nicht die besten.

Ja, das wußten schon meine Vorfahren zu bemängeln, in Greiz geht alles anders als anderswo. An was das  liegen könnte, wer weiß das schon genau.
Aber eines steht fest. In Greiz hat sich seit dem industriellen Aufschwung im 19. Jahrhundert ein "Stadtadel" herausgebildet. Wehe, was und wer dem nicht in den Kram paßt...

Das Resümee

Das Gute soll man immer zuerst nennen, und das habe ich damit erledigt, indem ich
die Chronik der Stadt Greiz vom Anbeginn der Gründung begann. (Sie ist jetzt auf einer extra Seite positioniert.)

Was am Ende steht, oder mit des Kanzlers der Wiedervereinigung Helmut Kohls Worten:  
"Was hinten rauskommt"...  ist lange Zeit weniger positiv aber es wird erst allmählich wieder besser werden.

Wie auch immer Greiz hat sich verändert - nicht nur negativ. Die  Stadt hat ihr Einheitsgrau ablegen können. Jedoch die Zeit der rasanten industriellen Entwicklung der Stadt ist nun zu Ende.
Greiz entwickelt sich demographisch und als Industriestandort rückwärts, und was dabei herauskommt, das bleibt abzuwarten.

Begonnen hat dieser Exitus nicht erst, wie man das gerne darzustellen pflegt, mit dem Ende der kommunistischen Ära und den daraus resultierenden Hinterlassenschaften einer Mangelwirtschaft.
Nein, dieser Exitus wurde eingeläutet mit einem verlorenen Zweiten Weltkrieg, der dieser Region seine Unternehmerschaft entrissen hat, und nach 1989 in der Konzeptionslosigkeit der Treuhandpolitik und der Raffgier von "Unternehmern" eines neuen Types, der sich zu denen mit ehrlichen Absichten gesellte, gipfelte. Hoffen wir, daß irgendwann ein neuerlicher industrieller Aufschwung der Stadt und seinen Bewohnern zu neuem Wohlstand verhilft.

Im Augenblick schwelt die Hoffnung auf kleiner Flamme. Viele Menschen verließen Greiz ge´n Westen um Arbeit zu finden.  Andere haben das nicht geschafft, und haben manchmal aufgegeben. Andere wiederum versuchten sich an und in der Stadt skrupellos zu bereichern.
... warten wir es ab, was dabei herauskommt.
 

   
LETZTE BEARBEITUNG:    31.12.2014
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