Der Elsterradweg
Vorkommen der Flußperlmuschel und Perlmuttherstellung an der Weißen Elster

 

 

 

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 Lebenskünstler Flußperlmuschel

 

LETZTE AKTUALISIERUNG:
10.07.2006

 © Wolfgang Trommer

 

 

Seit 300 Millionen Jahren leben Flußperlmuscheln auf diesem Planeten. Sie gehören damit zu den ältesten Lebewesen unserer Erde.

Die Lebensweise und die Fortpflanzung der Flußperlmuschel ist von komplizierten Bedingungen abhängig, die aber auch dieses Lebewesen so faszinierend machen.

Die Flußperlmuschel benötigt zum Leben sauberste Fließgewässer mit viel Sauerstoff. Das Wasser muß kalkarm sein und darf wenig Eisen enthalten.

Für die Fortpflanzung lagert ein Weibchen bis zu 4 Millionen Eier in seinen Kiementaschen ein. Durch mit dem Atemwasser aufgenommenes Sperma werden die Eier befruchtet. Es wachsen in wenigen Wochen die Larven (sog. Glochidien) heran, die sich durch Einatmen in den Kiemen von Wirtsfischen festsetzen und von deren Blut ernähren. Die Fische werden dadurch nicht geschädigt.

Nach etwa 10 Monaten ist die Entwicklung der Larven zu kleinen Muscheln abgeschlossen. Die Muscheln verlassen den Wirtsfisch und leben nun im Kiesgrund des Baches, wo sie sich von pflanzlicher Nahrung ernähren. Erst nach 5 Jahren kommt die Flußperlmuschel an die Oberfläche des Bachgrundes und ernährt sich nun von der vorbeiströmenden Nahrung. Nach 5 Jahren ist die Muschel 1 cm groß. Das Wachstum der Kalkschale wird ausschließlich aus dem wenigen Kalk der Nahrung aufgebaut. Flußperlmuscheln können bis zu 120 Jahre alt werden. Nur wenige Flußperlmuscheln erreichen das fortpflanzungsfähige Alter.

Die Perlen bilden sich durch die Einlage von Fremdkörpern, die zunächst mit Schleim der Muschel umhaust werden, der sich später verhärtet. Nur die wenigsten Perlen sind verwendbar. Sie sind jedoch so wertvoll, daß die Herrscherhäuser eigens dafür Flußfischer einsetzten, die die Bestände der Flußperlmuschel pflegten und die Fänge abzuliefern hatten. Perlenräuber wurden streng bestraft.

 

 

 

Das Städtchen Adorf ist nicht nur wegen seiner interessanten Ausstrellung zur Perlmuttherstellung einen Abstecher wert. Wer sich die Mühe macht das Elstertal zu verlassen um das historische Stadtzentrum von Adorf zu besichtigen, der wird dafür reichlich entlohnt mit den schönsten eindrücken von einem mittelalterlichen Stadtkern. Sogar Teile der ehemaligen Stadtmauer und ein Stadttor sind noch vorhanden. In diesem Stadttor befindet sich das Museum.

 

 

Mit der Industriealisierung im 19. Jahrhundert nahm die Verschmutzung unserer Gewässer zu. Die bis dahin im Oberlauf als auch im Mittellauf der Weißen Elster reich vorhandenen Vorkommen der Flußperlmuschel verschwanden fast gänzlich. Es ist ein Wunder, daß es noch wenige Exemplare dieser Tierart in unseren Gewässern gibt, die sich nun, nachdem die Flüsse wieder sauberer geworden sind hoffentlich vermehren. Die Flußperlmuschel steht unter strengstem Schutz. Da die Vorkommen sehr überaltert sind ist eine Vermehrung der Tiere sehr kompliziert. Auch fehlt es an reichen Beständen der Bachforelle, die die Flußperlmuschel zur Fortpflanzung benötigt. Zudem macht die intensive Landwirtschaft deren Dünger in den Wasserkreislauf gerät, die Verunreinigung der Flüsse durch Haushaltsabwässer und die Verbauung der Gewässer Probleme.

Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich eine regelrechte Industrie die das Perlmutt zu allerlei schmucken Hausrat, Souveniers und Schmuck verarbeitet.

Ein Zentrum dieser Perlmuttindustrie war Adorf, wo noch heute nach der politischen Wende ein ganz bescheidener Teil diese Industriezweiges überleben konnte.

 

Im Museum der Stadt Adorf kann man sich sehr informativ über die Flußperlmuschel und die Perlmuttverarbeitung informieren. Die Herstellung von Perlmutt vunterliegt einer sehr arbeitsintensiven Technologie:

 

  • Abschleifen der äußeren dunklen Schicht der Muschelschale
  • Polieren des Perrlmutt mit der Hand
  • Einlegen der Schale in eine Beize
  • Spülen der Muschel in Wasser
  • Schleifen der Schale
  • Vorzeichnen der Muschelschale
  • Ausschneiden
  • Nacharbeit
  • Perlmuttplättchen mit Zange zwicken
  • Polieren
  • Aufkleben
  • Nachpolieren

 

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