Wanderbeschreibung für

das  Burgsteingebiet

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Was wäre das Vogtland ohne seine Burgsteinruinen. Schon der von vielen Vogtländern verehrte Illustrator Hermann Vogel hatte die Gegend um Burgstein in sein Herz geschlossen. Die Sommermonate verbrachte er in Dresden, doch im Winter zog es ihn zurück zu seinem geliebten Burgsteingebiet, wo er von seinem Wohnhaus hinüber zu den mystischen Kirchenruinen blicken konnte, von denen keiner so recht weiß, wann sie genau entstanden sind, und wie es zu ihrer Zerstörung kam.

Errichtet wurden die beiden Wallfahrtskirchen an den Grenzen der Bistümer Bamberg und Meißen. Die beiden Kirchenruinen werden denen von Thalbürgel und Paulizella gleichgesetzt. Vieles in ihrer Entstehung und in ihrem Untergang liegt im Dunkel der Zeiten. So vergingen auch 50 Jahre Zeit im unzugänglichen Grenzgebiet der innerdeutschen Grenze, ehe die Vogtländer ihr geliebtes Burgstein besonders im Frühling, wenn die Natur in ihrer Blütenpracht erwacht, und im Herbst, wenn die Natur noch einmal in aller Farbenpracht das Laub der Bäume um die mystischen Burgsteinkapellen färbt, wieder besuchen konnten.

Längst war die gastliche Gemütlichkeit im Gasthaus auf Burgstein mit seinen legändären Wirtinnen vorbei. Längst hatte Besitztum auf Burgstein den Allgemeinsinn des heiligen Flecken Erde durch neue Anwohner verdrängt. Doch die Burgsteinruinen erstrahlen Dank der Baumaßnahmen der Stadt Plauen im neuen Glanz.

So können in jedem Jahr am Himmelfahrtstag traditionell Gottesdienste der Gemeinden Krebes und Ruderitz stattfinden. Gebet, Gesang der Gemeinde und der Kirchenchöre, unterstützt durch den Posaunenchor, schallt durch die altehrwürdigen Gemäuer der Wallfahrtskirchen auf dem Burgstein.

Für uns, die wir diesen heiligen Flecken Erde in unser Herz geschlossen haben war es trotz der vergeblichen Stoßgebete, daß der Herrgott doch etwas den Regen aufhören lassen möge ein großes Erlebnis am Himmelfahrtsgottesdienst 2006 teilnehmen zu können.

Ein bissel hat es der liebe Gott am Ende des Gottesdienstes doch noch erhört, denn spärlich kam die Sonne durch. Naß und frierend nahmen wir zur Kenntnis, daß es nicht mehr so stark regnete. Dankbar über die Wetterbesserung setzte ein kleiner Amselhahn lautstark die Gesänge im Solo fort...

An der Südwand der Krebeser Kirche kann man auf einem Grabstein die Inschrift lesen: "Hier ruht einer, der hatte den Wald so lieb". Es ist der Grabstein des Vogtländischen Malerpoeten Hermann Vogel. Unter großer Anteilnahme wurde Hermann Vogel hier im Jahre 1921 zur letzten Ruhe gebettet. Der Leichenzug bewegte sich nicht auf direktem Wege zum Friedhof, denn noch einmal sollte der von den Vogtländern als auch von Auswärtigen verehrte Maler durch seinen geliebten Vogtländischen Wald zur letzten Ruhestätte geleitet werden.

Als Sohn eines Maurermeisters wurde der Künstler am 16. Oktober 1854 in Plauen geboren. Ab 1909 Professor, lebte er in den Sommermonaten in Dresden Loschwitz und kehrte in den Wintermonaten nach Krebes zurück. Hier schöpfte er die Anregungen für seine Illustrationen, und so ist es nicht verwunderlich, daß die Motive seiner Illustrationen zu den Hausmärchen der Gebrüder Grimm und für die Heldensagen Ludwig Bechsteins im Vogtland zu finden sind.  -  Was wäre Dornröschen ohne den schönen Burgturm von Schloß Burgk!

Doch der Betrachter freut sich um so mehr, weil vieles was ihm vertraut ist in den Bildern Hermann Vogels erst nach genauerem Hinsehen zu entdecken ist. Seine Lieblingsmotive waren die Tiere des Waldes. Als Humorist und Satiriker nutzte der Maler die Möglichkeit die Tiere der Fabel gleich auf seinen Zeichnungen in die Rolle des Menschen schlüpfen zu lassen um seinen Mitmenschen verschmitzt die Schwächen vor Augen zu halten. Hermann Vogel ist ein etwas später, vielleicht zu später, letzter Vertreter der Romantik. Seine Bilder erinnern gerne an den Maler Ludwig Richter. Doch diesen Vergleich mochte Hermann Vogel ganz und gar nicht gelten lassen.

Sein "Jagdhaus", wie es der Künstler selbst gerne nannte, lag gegenüber den mystischen Burgsteinruinen, die Hermann Vogel so sehr mochte. Eine Kirchenglocke ziert noch heute den Garten seines Hauses. Der Märchenbrunnen mit dem wasserspeienden Froschkönig, an dem Besucher gerne rasten und das mit Tiermotiven übermäßig verzierte Haus passen so recht zum vogtländischen Malerpoeten.

50 Jahre war das Haus Hermann Vogels im Grenzgebiet der innerdeutschen Grenze nicht mehr erreichbar. Nach 1989 präsentierte es sich in einem jämmerlichen Zustand. Ein Glück, daß sich dem Anwesen die Plauener Wohnungsgesellschaft angenommen hat. Das Haus wurde aufwändig saniert. Heute beherbergt das einstige Wohnhaus ein Museum über den Dichter und Malerpoeten Hermann Vogel.

"Macht ner net so viel Brieh mit mir"  - so täte der vogtländische Malerpoet vielleicht heute dazu sagen...

Dem weniger trainierten Wanderer sei der Rundwanderweg um Burgstein empfohlen. Dieser Wanderweg führt direkt am Haus Hermann Vogels vorbei. Einen Abstecher hinauf auf die Platten legen wir jedem Wanderer ans Herz.

 

 

 

LETZTE AKTUALISIERUNG:  26.05.2006

© Wolfgang Trommer

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